Mittwoch, 16. März 2016

Kopftuch

Letztes und vorletztes Jahr habe ich wegen kalt am Kopf aufgrund des chemobedingten Haarverlusts gerne Kopfbedeckungen getragen. Meist ein Bandana-Tuch und darüber ne Beanie. Das sah zum Teil sehr Muslima-mäßig aus. Interessant war, dass Leute plötzlich anders auf mich reagierten. Sie grüßten nicht mehr und guckten so komisch. Argwöhnisch. Teils wurde ich auch komplett ignoriert.
Gerade eben sah ich wieder jemanden mit Kopftuch und merkte, dass mir das seither nicht so recht aus dem Kopf will, wie anders "wir" jemandem begegnen, nur weil er ein Kopftuch trägt. Weniger offen, weniger freundlich. Da gibt es Menschen bei uns, die verlangen, dass man in Deutschland kein Kopftuch tragen dürfen soll, wegen weil "unsere Kultur" und "alle gleich" und so. Und gerade dann ist es doch verwunderlich, wenn eben diese unsere Kultur, nämlich z.B. die Gepflogenheit, sich zu grüßen,  plötzlich vergessen wird, sobald jemand ein Kopftuch trägt. Von "uns" vergessen wird.



Vielleicht mache ich das mal wieder: ein Kopftuch tragen. Um zu sehen, ob sich etwas im Umgang mit Kopftuchträgerinnen geändert hat. Ein bisschen auch, um die Leute in ihrer Vorurteilerei zu verwirren. Und ganz vielleicht den ein oder anderen Gedanken anzustoßen. Denn der Anteil an Kopftüchern in unserer Gesellschaft steigt und wir lernen besser, damit umzugehen. D.h., die Kopftuchdamen nicht zu ignorieren, ihnen offen und freundlich begegnen, wie anderen eben auch. Das wünsche ich mir.

1 Kommentar:

  1. Hallo, welch ein wahrer und interessanter Bericht! Absolute Zustimmung. Auch beim Human Resource Management gibt es Vorurteile, die es Menschengruppen erschweren...

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