Mittwoch, 24. Februar 2016

Wir scheißen die Welt zu mit Freundlichkeit!

Ganz unabhängig von den neuerlich in Deutschland aufblitzenden Inseln des Hasses ist mir Freundlichkeit ein Anliegen. Andere grüßen und anlächeln, zurück gegrüßt und angelächelt werden, anderen den Vortritt lassen oder selbst vorgelassen werden, ein freundliches Wort, eine kleine Geste des gegenseitigen Anerkennens, Respektierens, sich wechselseitig gelten Lassens - das macht unseren Tag hell, das hilft so viel!



Klar kann man nicht immer fröhlich sein, manchmal ist man in Gedanken oder missgelaunt, aber vielleicht könnten wir es schaffen, an 90 % der Tage freundlich zu uns und anderen zu sein? Ich denke dabei nicht nur an Leute aus der Mitte der Gesellschaft (denen Freundlichkeit sicher auch gut tut), sondern v.a. an jene, die unserer Freundlichkeit ganz besonders bedürfen: psychisch Kranke, z.B. Depressive oder Leute mit Angststörung, die für sich nicht mehr wissen, ob sie einen Platz auf der Welt haben. Wie gut tut es da, vom anderen gespiegelt zu bekommen, dass es schön ist, da zu sein. Mit einer Geste, einem freundlichen Wort willkommen geheißen zu werden. 
Oder die vielen einsamen Menschen, v.a. Alte. Nicht alle sind gut sozial vernetzt und integriert. Manche machen einen regelrecht ausgehungerten Eindruck in Bezug auf Freundlichkeit und Zuwendung. Wie wenig kostet es mich, einem anderen den Tag zu versüßen, mit einem kleinen Gespräch, etwas Wegbegleitung. Wie schön können wir uns gegenseitig den Tag machen! 
Mir hat mal jemand gesagt, Freundlichkeit sei sein Motor. Ich bin mir sicher, in gewissem Maße ist das bei uns allen der Fall. 

Die fremdenfeindlichen Vorfälle, die sich gerade häufen, verleihen meinem Anliegen eine ganz neue Dringlichkeit. Ich will nicht untätig rumsitzen und zusehen, wie sich Geschichte wiederholt. Ich glaube aber auch nicht, dass Gegenhass hilft. Was macht ein Mensch, wenn er zornig, hasserfüllt und gewaltbereit ist und ihm dasselbe Verhalten entgegenschlägt? Wird er dann plötzlich friedlich? Eher nicht. Wahrscheinlicher ist, dass sich Hass und Gegenhass gegenseitig hochschaukeln. Eine Spirale der Gewalt, eine pure Frage dessen, wer der Stärkere ist. Der Abgesang auf die Zivilisation. Das will ich nicht. 
Hinzu kommt, dass ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass Menschen, die geliebt werden, die zufrieden sind und akzeptiert, so hasserfüllt sein können, wie jene Menschen, die Kriegsflüchtlinge mit Naziparolen empfangen und deren Unterkünfte anzünden. Wenn der wütende Mob aus zu kurz Gekommenen besteht, dann ist es umso wichtiger, dass es keine zu kurz Gekommenen gibt. Dass alle ihr Stückchen Freundlichkeit bekommen und ihren Platz in der Welt. Und für die ewig miesepetrigen Falschversteher: Straftaten müssen trotzdem geahndet werden, aber das ist Aufgabe der Polizei. Unsere Aufgabe ist es, miteinander menschlich, höflich und zuvorkommend umzugehen, so, dass jeder sich willkommen fühlen kann. Jedenfalls ist es das, was ich gerne machen möchte. Macht jemand mit? Wir scheißen die Welt zu mit Freundlichkeit! 
P.S.: der wunderbare Nebeneffekt ist ja, dass es mir selbst ein gutes Gefühl gibt, wenn ich anderen Gutes tue. Es lohnt sich also!
P.P.S.: leider wiegen negative Erlebnisse immer schwerer als positive. Wir müssen also ungefähr sieben  Mal so freundlich sein, wie die anderen scheiße sind. Das schaffen wir, oder?

Kommentare:

  1. Antworten
    1. <3 <3 danke fürs Teilen und Kommentieren!

      Löschen
  2. Leichter gesagt als getan :( Ich gebe dir vollkommen recht und bin komplett bei dir! Für den Umgang miteinander im Alltäglichen ist das richtig, plausibel, nachvollziehbar, vernünftig und unabdingbar.
    Mir selbst fällt das in Diskussionen immer schwerer. Wenn Leute von Grenzen dicht machen sprechen, die ich eigentlich mag. Wenn Bekannte von "Wirtschaftsflüchtlingen" sprechen und diesen, wie die auch immer definiert sind, ihr Bleiberecht verwehren wollen. Da platzt mir regelmäßig der Kragen und ich verliere leider die Geduld, bei der fehlenden Nächstenliebe, der fehlenden Solidarität aufgrund der Angst ein wenig seiner bequemen glücklichen heilen Welt abzutreten und damit zu helfen anderen das Leid zu mindern ... mein Puls geht schon beim schreiben hoch ... dann kann ich diese Diskussionen, die ich finde absolut nötig sind, manchmal leider nicht mit Freundlichkeit durchziehen oder beenden.
    Das hört sich hier jetzt nach Beichte oder Rechtfertigung an, was es definitiv nicht sein soll. Ich will einfach nur schreiben wie es bei mir gerade ist, einem der sich dem was du schreibst selbst verschrieben hat und verucht zu leben.Ich habe zur Zeit leider nur irgendwie die Hoffnung verloren, da ich diese Diskussionen schon aus den 90igern kenne und wohl dachte dass sich etwas geändert hat ... es scheint dies ist nicht der Fall und diese Erkenntnis macht mich zur Zeit wütend.
    Daher ist es schön dass du genau das jetzt hier schreibst, mich an das erinnerst. Das gibt ein wenig Hoffnung und mildert die Wut!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich kenne das Problem und habe auch keine Lösung dafür. Weil ich gerade auch kurz davor bin, die Hoffnung zu verlieren, war mir dieser Blogpost so wichtig. Ich glaube nämlich, dass es viel mehr freundliche Menschen gibt als intolerante. Wir müssen uns nur zeigen und uns so gegenseitig Mut machen. Den Versuch zumindest ist es wert, nä?

      Löschen
    2. Klar, jeder Versuch die Lage zu verbessern isses wert. Ich reime sogar schon um manches zu ertragen ... und vielleicht hilft der ein oder andere Wutausbruch. Bringt hfftl. manch einen zum Nachdenken ... wenn er will!

      Löschen