Freitag, 16. Oktober 2015

Sport und Krebs

"Gehen Sie jeden Tag raus, wenigstens eine kleine Runde!" Als ich das gesagt bekam, hatte ich eigentlich vor allem das Bedürfnis, mich auszuruhen. Die Schwangerschaft war anstrengend, die Chemo hat mich platt gemacht - und da sollte ich auch noch aktiv werden? 



Rückblickend war das vielleicht der beste Tipp, den ich bekommen habe. Wenn man sich zu sehr gehen lässt, ist das zwar verständlich, weil man sich krank und schwach fühlt, man baut aber auch immer mehr ab ohne regelmäßige Bewegung. 

Das muss nicht immer Sport sein, auch spazieren gehen ist schon sehr gut. Es ist gut für das Immunsystem, das Herz, den Allgemeinzustand, es hilft der Psyche, die Muskeln bauen nicht so schnell ab. Es stabilisiert den Blutdruck, regt den Stoffwechsel an und hilft ein bisschen bei dieser Sache mit dem Gewicht. Wichtig für Krebspatienten ist auch der positive, festigende Effekt, den Bewegung auf die Knochen hat - sollte der Krebs seinen Ursprungsort verlassen und aufs Skelett übergehen, hilft eine gute Ausgangsbasis ungemein. Vom Krebs befallene Knochen brechen nämlich leichter.



Nachdem ich die Chemotherapie, die OP, die Geburt und nochmal ne Chemotherapie überstanden hatte, konnte ich kaum mehr laufen - trotz der fast täglichen Bewegung. Der Körper war durch die Schwangerschaft noch entenförmig, durch die heftigen Kortisongaben aufgrund der Allergie gegen die Chemo hatte ich schnell viel zugenommen und die Kombi war für den Rücken ziemlich fies. Nach zehn Minuten gehen war Schluss. Eine super Sache sind ja in solchen Situationen Kinderwägen: Man kann sich heimlich auf sie stützen.

Ein mühsamer Weg, dieser Wiederaufbau der Muskeln. Krankengymnastik, Reha, viel Sport. Es gibt Untersuchungen, die besagen, dass z.B das Brustkrebsrisiko um 20-40% sinkt, wenn man ausreichend Sport macht. Je mehr Sport, desto bessere Aussichten. Und immer wieder im Hinterkopf der Gedanke: wenn der Krebs wiederkommt, musst du möglichst fit sein, damit du stark sein kannst, um die Therapie besser zu überstehen, damit du nicht so schnell abbaust.

Die geforderte tägliche halbe Stunde bis Stunde schaffe ich nicht - da sind ja auch noch Familie, Haushalt und neuerdings wieder der Job (Wiedereingliederung \o/). Aber drei Mal pro Woche eine knappe Stunde ist doch auch nicht schlecht, nä?

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