Dienstag, 30. Juni 2015

Nach dem Krebs

Über ein Jahr ist es her, dass ich aus der Welt gefallen bin, mitsamt meinem dicken, schwangeren Bauch. Direkt hinein in ein Hamsterrad aus Untersuchungen, Therapien, Formularen, Krankenhaus- und Arztbesuchen. Dann die Anschlussheilbehandlung, immer noch dreht sich das Rad. Und dann komme ich (zusammen mit meiner Tochter, die ich zwischenzeitlich ja auch noch geboren habe) endlich heim und zum atmen. Tief durchatmen. Es ist seltsam, plötzlich nicht mehr permanent von Ärzten überwacht zu werden. Das war zwar anstrengend, hat aber auch jede Menge Sicherheit gegeben. 
Plötzlich habe ich Zeit für all die Krebsbücher, erstmals kann ich mich tiefer mit dem Thema befassen. 

Panik.

Wo ich mich seither an dem Wort "krebsfrei" fest gehalten habe, an der Stelle sickert jetzt die Wahrheit ein, dass er wieder kommen kann, der Krebs. Bei manchen tut er das, bei anderen nicht. Keiner weiß so recht, wieso. In den ersten Jahren nach der Ersterkrankung ist die Wahrscheinlichkeit, dass er wieder kommt, erhöht. Erst, wenn er fünf Jahre lang fern blieb, gilt man als geheilt (was immer noch nicht heißt, dass der Krebs niemals wieder kommt). 

Schluck.

Diese Erkältung, die habe ich jetzt schon seit über acht Wochen. Ist doch komisch. Speiseröhrenkrebs? Lunge? 

Es braucht, mal wieder, meine Freundin, die mich auf den Boden holt. Die Freundin, die mir während der ganzen Zeit verboten hat, in Internetforen und Beipackzetteln zu lesen. Die alle relevanten Infos für mich gefiltert hat, die ich immer über die Zusammenhänge ausquetschen konnte. Mein seelischer und medizinischer Halt. 

Sie meint, es sei gar nicht verwunderlich, dass ich, nach einem Jahr Menschenmengenabstinenz, für die umherfliegenden Keime besonders empfänglich bin. Sie erklärt, dass das Anti-Hormonmedikament, dass ich jetzt nehme, auf die Schleimhäute geht. In der Kombi ist es also verständlich, dass sich mein Hals seit nunmehr April raspelig, rauh und entzündet anfühlt. Doch kein Lungenkrebs.

Aber was tun, um nicht verrückt zu werden, um die Zeit bis zum nächsten Check-up geistig gesund rum zu bringen? 



Kann ich selbst etwas tun, damit der Krebs nicht wieder kommt? Meine Frauenärztin rät mir, aus dem Portfolio dessen, was da alles so (angeblich) gegen Krebs hilft, 2 Sachen auszusuchen. Etwas, mit dem ich mich gut fühle. Ob das jetzt 'ne Mistel- oder Tanztherapie ist, Papaya, ... 
Man kann den Krebs mit keiner Methode sicher aufhalten, es geht nur darum, sich im Ernstfall nicht vorwerfen zu müssen, es nicht versucht zu haben.

Sport und Ernährung, das ist meine Wahl. Und ich fürchte, das gibt gelegentlich noch 'nen eigenen Blogpost.

Kommentare:

  1. Ich freu mich auf die gefürchteten eigenen Blogposts.
    So wie ich mich auf alles freue, was sonst noch so aus der rauspurzelt: Gedanken, Freude, Ideen, #flauschkrams, das Minischnips...
    Und einen lieben Gruß an die Freundin: ein dickes <333-Dankeschön für ihre Filterei.

    Liebe Grüße aus dem sonnigen Norden! :*

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  2. Dies hier hat mir exzellete Blutwerte beschert:

    https://www.weltbild.de/artikel/buch/krebszellen-moegen-keine-himbeeren_13671583-1

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  3. jetzt erst gelesen ... du solltest die freundin aufessen um ihren filter zu verinnerlichen ;) der krebs kam ohne dein verschulden, daher wirst du auch nichts dagegen tun müssen/können um ihn fern zu halten. lass es dir gut gehen, und lebe nach bestem wissen und gewissen. dabei wirst einen weg finden daran zu glauben zu denen zu gehören bei denen er nicht wieder kommt. alles andere liegt nicht in deiner händen. ist auf der einen seite hart zu akzeptieren aber auf der anderen seite auch sehr befreiend, finde ich

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