Mittwoch, 19. November 2014

Die pazifische Eibe ist nicht pazifistisch

Chemotherapien gibt es ja viele verschiedene. Eines der gebräuchlicheren Schemata, zumindest bei Bustkrebs, ist wohl, 4x das eine und danach 4 x ein anderes Chemotherapeutikum zu kombinieren. Grund ist, dass die Tumore unterschiedlich reagieren und damit auch die Mikromethastasen, um die es ja bei mir nur noch geht. Bei 2 unterschiedlichen Chemos geht man davon aus, dass irgendeins es schon richten wird.
Bei mir also während der Schwangerschaft die erste Runde mit vier mal EC (das war das schön rote, camparifarbene, von dem man viel spucken muss). 


Jetzt, nach der Geburt, sollte mit einem Therapeutikum aus der Gruppe der Taxane weitergemacht werden, das sind Wirkstoffe, die aus der pazifischen Eibe gewonnen werden, oder die der pazifischen Eibe chemisch nachempfunden werden. Vor drei Wochen die erste Gabe Taxotere. Wer auf Twitter mitliest hat vielleicht noch in Erinnerung, dass ich das nicht so gut vertragen habe. Am Folgetag war ich direkt wieder im Krankenhaus, weil ich verzögert allergisch reagiert habe (Ausschlag, Fieber). 
Auch die Nebenwirkungen danach waren Hardcore (u.a. Knochen-, Nerven- und Gelenkschmerzen), die schlimmsten zwar innerhalb einer Woche vorbei, aber auch bis zur nächsten Chemo, drei Wochen später kamen immer wieder Nebenwirkungen dazu, keine davon besonders schön. Besonders unangenehm war, als meine Hände kein warmes Wasser mehr vertragen haben, was für so ziemlich alles in der Babypflege (Fläschen spülen, abkochen, mit heißem Wasser anrühren, aber auch das Baby waschen) ziemlich unpraktisch ist und so nette Dinge wie duschen kann man dann auch vergessen. Die Taubheit in den Fingern ist nicht nur höchst dämlich, sondern offenbar auch eines der Warnsignale für die Ärzte. (Der Sohn befand übrigens, dass einige der Nebenwirkungen ein gar vorzügliches Halloween-Kostüm abgäben).

Gestern sollte die zweite Gabe Taxotere statt finden. Dass der Körper beim zweiten Mal allergiemäßig heftiger reagiert, war wohl zu erwarten, weshalb die Stationsärztin direkt beschlossen hatte, nur 80 Prozent der ersten Dosis zu verabreichen. Nach Rücksprache mit ihrer Chefin sollte dann aber komplett auf Taxotere verzichtet werden und auf Taxol (Paclitaxel) umgestellt werden. Angeblich viel besser verträglich. Muss wöchentlich gegeben werden, was mich aus familienorganisatorischen Gründen nicht gerade aufgebaut hat. Die Aufregung über organisatorisches hätte ich mir genauso gut sparen können. Das Taxol war eben angeschlossen, da bin ich bereits rot angelaufen, wenig später könnte ich nur mehr schwer atmen. Die Gabe wurde unterbrochen, Fenistil intravenös gegeben (gegen die Allergie, macht müüüüde!) und wurde nach einer Pause stark verlangsamt weitergeführt. Inzwischen waren alle meine Mitpatientinnen fertig und durften gehen, die zweite Schicht an Patienten tröpfelte ein. 


Mein Blutdruck sank unter der erneuten Gabe immer weiter und die Hände begannen zu kribbeln - wohl kein gutes Zeichen, denn erneut wurde abgebrochen. Die Oberärztin kam dazu und wollte nach Pause erneut stark verlangsamt das Taxol weitergeben. Dazu kam es aber nicht, Frau Professor fand das zu riskant und ordnete den Abbruch für den Tag an. Nächste Woche versuchen wir es mit Abraxanen, das klingt gleich viel netter und ist wohl auch noch mal viel besser verträglich. Die Theorie lautet, dass ich nicht mit der Eibe selbst im Krieg bin, sondern mit dem Trägerstoff und der ist bei Abraxanen ein anderer. Man darf gespannt sein.
Mir war gestern trotzdem schön schlecht, komisch im Kopp, schwach in den Beinen. Ein Drittel vom Gift ist etwa im Körper und er mag es nicht. Begleitmedikation wie bei voll eingelaufener Chemo, also heute und morgen noch schön "gesunde" rote Cortison-Bäckchen und so.
In welchem Rhytmus die neue Chemo verabreicht werden wird, erfahre ich heute oder morgen. Dass ich die Chemo dieses Jahr noch abschließen kann, ist aber ziemlich ausgeschlossen. Der Verstand sagt, es sei doof, sich an solche Termine zu klammern, trotzdem finde ich das fies. Ende des Jahres fühlte sich als Abschluss gut an. Egal, ich trinke jetzt erst mal wieder viel: Prost!

Kommentare:

  1. Liebe Frau Heike,
    Ich hab gerade gar kein internetfähiges Handy und nichts mitbekommen. Aber ich drück Dich und meine Daumen für Dich das "alles in`s Lot" kommt.
    Ich kann völlig verstehen das Du enttäuscht bist wegen des Datums....
    Es wäre so schön gewesen, dieses Jahr...
    Ich sende Dir ganz liebe Grüße aus dem Westen
    Jenny

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  2. Meine Tour endet rechnerisch am 25.02.15.

    Ich schätze, ab Juni wieder fit zu sein.

    Erwartungsmanagement ftw.

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  3. Wie werden jetzt die 2 Sitzungen gezählt bei der ganzen Chemotherapie? Als Zwischenspiel? Und wie wirkt sich denn so ein Wechsel aus?

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    1. Das habe ich mich auch schon gefragt. Ich weiß nur, dass Taxoteure 4 x gegeben worden wäre und Taxol gibt man eigentlich 12x. Also 1 xTaxotere = 3 x Taxol. Und offenbar zählen beide Gaben voll, denn es sollen jetzt noch 6 x Abraxane gegeben werden.

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