Dienstag, 23. September 2014

Schmerzen aller Art.

Alles schmerzt. Mal der Bauch. Der Rücken, immer der Rücken! Als hätte ich drei Tage lang auf dem Acker geschuftet (oder 36 h Wehen gehabt und danach 4 Tage in einem unbequemen Krankenhausbett gelegen). Die Narbe in der Brust. Höllisch, manchmal. Becken, Lenden, Damm. Die Seele. 
Neben mir liegt das kleine Glück in ultrasüß. Es ist anstrengend, bis wir eine Routine entwickeln, bis jeder in der neuen Konstellation seinen Platz findet. Wir stehen unter Druck, weil wir vermutlich nur noch etwas mehr als eine Woche haben, bis es wieder los geht mit der Therapie und ich erst mal ausfalle als Mama, als Frau, als ich.

Bis dahin sollte alles irgendwie laufen. Der Große soll nicht unter die Räder kommen, der Papa hat die schwere Aufgabe, alles auffangen zu wollen oder sollen, tags, nachts, für groß, klein, Frau, Haushalt... 


Ich soll nach mir selbst schauen, weil mir die tiefe Wochenbettdepression aufgrund der Umstände schon prophezeit wurde, will aber natürlich auch den Mann nicht im Regen stehen lassen und für die Kinder da sein. Tief in mir sitzt eine Traurigkeit, die überzuquellen droht. Die Angst, zu sterben, die jede Krebsdiagnose begleitet, lässt sich so ganz schlecht mit dem Versprechen vereinbaren, für dieses Neugeborene da zu sein, bis es einen nicht mehr braucht. 
Auch jetzt schon kann ich dem Mini so vieles nicht geben, was ich ihm eigentlich gerne geben möchte. Es bricht mir das Herz, es nicht stillen zu können, wenn es mir doch oft zu verstehen gibt, dass es das ist, was es möchte. Nicht nur kann ich ihm keinen Nestschutz bieten, ich habe mir direkt auch noch einen Infekt zugezogen. 
Ich habe Angst, nicht für es da sein zu können in der Chemowoche, wenn es mir zu schlecht geht. 
Es liegt jetzt ganz friedlich auf mir, voller Vertrauen und ich weiß nicht, ob ich es nicht furchtbar enttäuschen werde.
Ich hoffe, ihr versteht, dass wir diese erste Zeit ganz für uns brauchen und auch dringende Besuche warten müssen. Telefonate, mich bei euch für Post zu bedanken - gebt mir bitte Zeit. Ich kann einfach gerade nicht. Es tut mir leid.


Kommentare:

  1. Nur eines, wobei ich Dich in Deinen Zweifeln voll und ganz verstehe, etwas das gilt: Du enttäuscht Dein Kind nicht, so was von mal gar nicht! Ich wünsche Dir alles Glück der Welt!

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  2. Ganz, ganz viel Kaft, Mut und Zuversicht Dir und Deiner Familie. ❤

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  3. <3 Und wieder einmal wünschte ich, ich könnte mehr tun als hier ein paar schimmelige Herzen zu hinterlassen. Es macht mich so traurig, dass Du denkst, Du könntest Dein Kind (Deine Kinder) enttäuschen. Dein zweites Kind wäre gar nicht auf der Welt, hättest Du damals in Schema F der Ärzte eingewilligt. Dein erstes Kind hätte kein Geschwisterchen, auf das es ein Leben lang bauen kann, egal, was noch passiert. Deinem Mann hast Du eine Tochter geschenkt. Du hast bereits so viel gegeben. Lass Dich ein bisschen auffangen, lass Deinen Mann und alle, die es können, noch ein Weilchen (und jetzt vielleicht noch ein wenig mehr, denn so viel liegt bereits hinter Dir!) für Dich übernehmen. Deine Tochter und die Bindung zu ihr wird es nicht stören, Flaschenmilch ist eine prima Sache, und das Gute an der Vorhölle, die noch kommt, ist, dass Du hoffentlich ein paar mehr Sachen bekommst, die Dir die Nebenwirkungen der Therapie erleichtern. Für Fragen, Besuche, Telefonate wird Zeit sein - später. Danach! Ich drücke Dich in Gedanken. Lass Dich auffangen. Das war genug Stärke, genug Kraft, genug Druck. <3

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    1. Ich mag deine schimmeligen Herzen wie deine zurechtrück-Worte! Danke!

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  4. Überschätze nicht die Belastung die Du zu sein glaubst. Menschen die Dich lieben freuen sich darauf Dir gutes zu tun, und für Dich da zu sein. Und dann, dann rockst DU die nächste Therapie...

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  5. *drück dich fest*

    Schwere Kost. Tiefe Gedanken. Nicht wissen, wie man helfen kann.

    Bin mir aber sicher, das dein Kleines weniger Bindung zu dir aufnimmt, nur weil du es nicht gestillt hast. Und auch eine Woche mit Infekt oder eine Chemonebenwirkungswoche wird das nicht schaffen, ein Kind so weit zu entfernen.

    Ehr mache ich mir Sorgen um dich und deinen Mann. Hab ihr weitere Unterstützung für Euch? Oder lastet das Alles auf Euren Schultern? Haushaltshilfe? Oder hat dein Mann Sonderurlaub? Tagesmutter für das grosse Kind?? Gespräche mit Fachmann für dich? Für ihn?? Das sind Dinge, die man in Anspruch nehmen sollte, wenn man in so einer schweren Situation steckt wie ihr.

    Es tut mir so leid, das du die Chemo noch nicht geschafft hast.

    Hab keine Angst - ich glaube nicht das du deine Kinder enttäuschst. Sowas kann nur Jemand, der sich so gar keine Gedanken/Sorgen macht. Ich gehe jetzt einfach davon aus, das ihr, wenn es euch möglich ist, die Kinder gut betreut/liebt/auffangt ... also - Kopf hoch!

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  6. Ach Mensch! Ich verstehe Deine Gedanken sehr gut. Aber wie Juna sagte: Du hast schon so viel gegeben. Alles, was Dir möglich war. Dein kleines Mädchen hat vielleicht nicht den ganz perfekten Start ins Leben. Aber sie wird sehr geliebt und das spürt sie. Und andere Kinder sind auch mit der Flasche groß und stark geworden :-)

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  7. Auch hier noch mal alles Liebe, alles Glück der Welt...
    Ich glaube auch nicht das Du Dein Kind enttäuschst, Du hast ihr so viel gegeben und wirst ihr noch so viel geben. Und ich glaube auch nicht das Du irgendwen enttäuschen wirst der jetzt nicht zu Euch kommen darf und wenn dann hat er entweder etwas nicht verstanden oder ist es nicht wert.

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  8. Weg isser, der Kommentar - also nochmal. Oder eigentlich - was Juna sagt. Ich habe keine besseren Worte. Du Liebe, fühl dich in Gedanken fest gedrückt!

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    1. ich würde ja gerne posten, aber heute mag es mich nicht. Und dabei wird doch alles gut. Und jeder gibt. Besonders Du, Heike. Alles. Echt jetzt. Undd jeder wächst an seinen Aufgaben. Also lass die anderen auch mal wachsen :) ALLES. WIRD. GUT - oder was Wolfgang "drüben" sagt... und die anderen hier. alles <3smenschen.
      (Und nun zwingt mich google zum Googleeinloggen um zu kommentieren... aber: was macht man nicht alles, um einer Seele was gutes zu tun)

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  9. Liebe, liebe Heike, besser als Juna kann man es nicht sagen. Jedes ihrer Worte stimmt. Du bist so stark gewesen bisher, schon jetzt eine so besondere Mutter für diese Mini-Juna, das kann euch keiner mehr wegnehmen, egal, was jetzt auf dich zukommt. Chemo ist große Scheiße, aber Krebs ist ein Stricher, der richtig Ärger braucht. Und den kriegt er jetzt, damit du in Zukunft deine kleine Tochter, deine beiden Kinder genießen kannst und für sie da sein. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und einen guten Platz für deine Traurigkeit und die Ängste (hast du diesbezüglich Unterstützung, vielleicht eine gute Psychoonkologin oder so? Das kann so helfen! Und es gibt übrigens Studien, die belegen, dass Brustkrebspatientinnen mit psychotherapeutischer Unterstützung gigantisch viel höhere Überlebensraten haben, als solche ohne. Just sayin'.) Ich schicke dir einen Arm voll Liebe und Licht und hoffe, du lässt dich von deiner Familie und deinen engen Freunden durch die harte Zeit tragen. Alle, die etwas für dich tun können, werden es mit Freuden und mit vollem Herzen tun, da bin ich sicher. Von uns hier und drüben bei Twitter gibt's dann weiterhin schimmelige Herzen, ok? <3 Liebste Grüße von Anna aka berlinmittemom

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  10. Mensch Heike, alte Facebook-Freundin! Dass der Depri dich in den Klauen hat ... ja klar. Der Krebs greift Dich an und Du hast als Antwort ein Leben auf die Welt gebracht! Wer soll dich noch unterkriegen?!? Ich bewundere Dich.

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  11. Du machst das super. Deine Kinder haben eine tolle Mama, und ganz sicher überhaupt sehr tolle Eltern. Es sind vielleicht nicht die besten Zeiten gerade, aber dafür kann niemand was, vor allem du nicht. Ich denke ganz viel an euch. Alles, alles Gute für die nächste Zeit.

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  12. Sei still umarmt. Und alle deine Lieben gleich mit.

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  13. Lassen sich Versprechen vergleichen? Lässt sich Liebe vergleichen? Selbst wenn man beides nicht wiegen oder messen kann, so empfinde ich doch dein Versprechen, selbst wenn du es vielleicht nicht immer einhalten kannst, als unglaublich stark. Die Liebe, die du deiner Familie gibst, trotz der wenigen Kraft, die dir derzeit bleibt, als irre groß.
    Über Fairness muss man bei diesem Dreckskrebs ja nicht reden, aber über dein Durchhaltevermögen, über die Stärke, die du bisher schon mobilisiert hast und darüber, dass sich die Dinge schon so gut entwickelt haben. Dass die Schwangerschaft ohne größere Komplikationen trotz Chemo abgelaufen ist. Dass die Geburt so ablaufen konnte, wie du es dir erhofft hast, dass deine OP gut ging und du schon so ein großes Stück geschafft hast. Dass dieser jetzige Moment kommen würde, war dir bewusst und trotzdem hast du dich der ganzen Freude der Geburt und über die kleine J. hingegeben. Und jetzt musst du schon wieder mobilisieren und aufpassen, dass dir diese Scheiß Angst nicht die Luft raubt. Eine Woche Verschnaufen ist wirklich verdammt wenig aber vielleicht schenkt dir diese kurze Zeit an anderer Stelle wieder mehr Zeit. Und deiner Familie, die ihren Mann steht (im wahrsten Sinn). Wo wir schon beim Mann sind: Alles was er nicht auffangen kann, wird er gut verteilen. Und sich Hilfe holen, wenn er welche braucht.
    Und eines weiß ich ganz genau: Diesen nächsten Schritt wirst du wieder meistern und aus einer mir unbekannten Ecke eine ungeahnte Kraftreserve holen. Und zusätzliche Kraft könnt ihr vier hoffentlich aus diesen „schimmeligen“ Herzen ziehen. <3 <3 <3 <3
    Wolfgangs Satz bau ich mal ein wenig um: Wie es wird, wird’s gut. Alles.

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  14. Liebe Heike, jemand der so mutig und aufrichtig liebt wie Du, kann niemanden enttäuschen. Und schon gar nicht die Menschen, die diese Liebe immer spüren, auch wenn Du meinst, Du gibst grad gar keine. Lass Dich fallen, konzentrier Dich auf Deine Bedürfnisse und wenn Du denkst, dass Du mehr Hände benötigst, die Dich auffangen sollen, dann gib ein Zeichen ab an die Menschen die Dich unterstützen können. Du wirst für den nächsten Schritt wieder viele viele Kräfte mobilisieren können, wie die gesamte Zeit. Ja und darfst diese scheiß Angst haben.
    Ich drücke Dich ganz ganz ganz lieb.

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  15. Danke für so viel Zuspruch! Das tut sehr gut! <3

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  16. Liebe Heike,
    Ich bewundere Deine Stärke und ich bin mir sicher das Deine Familie, vor allem Dein Mini, mindestens halb so stark sind wie Du :) Ich kann Deine Angst so gut verstehen aber ich bin mir ganz ganz sicher, dass Ihr auch diese Hürde überwinden werdet.
    Und weißt Du was? Aus ganz vielen Flaschenkindern sind ganz viele "Mamakinder" geworden :)
    Ich wünsche Euch weiterhin alles Glück dieser Welt,
    LG Ela

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