Sonntag, 17. August 2014

Wann ist es (endlich!) soweit?

Als ich kürzlich eine Woche stationär in der Schwangerenstation untergebracht und einige Tage nach der OP fit genug war, um im Frühstücksraum zu frühstücken, traf ich eine Frau, die völlig fertig aussah. Gestresst und angespannt erzählte sie den anderen, dass die Geburt überfällig sei. 

Sie berichtete, dass, seit der errechnete Geburtstermin erreicht war, ständig und in steigernder Frequenz Freunde, Bekannte und Familie anriefen und fragten, ob das Baby schon da sei. Wenn sie selbst irgendwo anrief, war die erste Frage, ob schon was passiert sei??? Als sie am errechneten Geburtstermin selbst zur eisessenden Bürogemeinschaft stieß (da sich keine Geburt abzeichnete und es ihr gut ging), war es DAS Thema, wieso sie denn hier sei und ob sie nicht jetzt mal...? Es wurde von Bekannten sogar eine Facebookgruppe gegründet, wo sich die Leute rund um diese Frau gegenseitig zu informieren trachteten, sobald es Anzeichen für eine Geburt gäbe. Als die Frau das entdeckte (und auch, dass sich in dieser Gruppe inzwischen zusätzlich zu einigen Freunden auch nur entfernt Bekannte und ihr völlig Unbekannte tummelten) hat sie dringend um Auflösung dieser Gruppe gebeten.
Am Tag, bevor ich diese Frau traf, hatte das Einleitungsverfahren bereits begonnen. Zu Beginn bekommt man einen Wehencocktail, der wirkt, wie ein kleiner Schubser für einen Körper (und ein Baby), der für die Geburt bereit ist. Ob es nun an all dem auf sie ausgeübtem Druck lag, der bei ihr zu sichtbarer Anspannung führte (wie soll man denn ein Kind gebären, wenn alles an einem angespannt ist?) oder einfach daran, dass es bei ihr noch nicht soweit war - der Wehencocktail hatte rein gar nichts bewirkt. 

Das Geburtseinleitungsverfahren kann langwierig und anstrengend sein. Nach dem Wehencocktail folgen verschiedene andere Maßnahmen, die beim Wehentropf enden (glaube ich, bisher bin ich kein Experte). Langwierig heißt: vier, fünf, mehr Tage. 

In der Tumorkonferenz empfahlen die Ärzte, bei mir solle die Geburt bereits vor dem errechneten Termin eingeleitet werden. Es besteht das Risiko, dass sich bei zu lange unterbrochener Chemotherapie eventuell noch vorhandene Mikrometastasen ungehindert vergrößern. Ich werde mich dieser Empfehlung nur in vernünftigem Rahmen beugen. Klar ist aber, dass man mich nicht übertragen lassen wird - der errechnete Geburtstermin ist also sowas wie die Grenze der körper- und babyeigenen natürlichen Geburtsbestrebungen. Spätestens danach werde ich dieses ätzende Geburtseinleitungsverfahren in möglicherweise vollem Umfang auskosten dürfen. Mit einer Schar um mich besorgter Ärzte, Familienmitglieder und Freunde, die natürlich alle nicht wollen, dass der Krebs sich wieder ausbreitet - ich glaube, es wird genug auf diese Geburt hingefiebert. 

Da ich fest davon ausgehe, dass meine Fähigkeit zur Entspannung und Gelassenheit Wesentliches zu einem guten Ausgang beitragen kann, bitte ich, mich darin zu unterstützen. Die Frage, wann es nun soweit ist, hilft nicht und ist auch in gewissem Maße irrelevant (ich habe den Verdacht, dass diese Babys in Mathe doch noch recht schwach sind und sich daher nicht besonders um irgendwelche errechneten Termine scheren). Es kommt, wie es kommt und wann es kommt. Bis dahin: durchatmen!
Danke für euer Verständnis!
Eure Dicke




Kommentare:

  1. Ich verstehe Dich so gut. Zudem ist der ET ja eher so ein Theorieding! Denn wann weiß Frau wirklich haargenau, wann definiert Eisprung und die Befruchtung war? Zudem kommen die Kleinen, wenn sie bereit sind. Und der Kopf und die Seele der Mutter redet da noch ein ganzes Stückchen mit. Meine Antwort war immer, daß das Kind nicht bis es 18 ist, im Bauch sein wird :-). Obwohl, zum Schluss jammerte ich nach über 1 Woche schlimmstes rumgewehe am meisten rum.... So und Dir noch gute Tage im Endspurt und eine gute Geburt!

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  2. Liebe Heike,
    es ist mir ehrlich gesagt unverständlich, wie ungeduldig ein Umfeld sein kann. Ich bin mittlerweile zum 5. Mal Tante geworden und es kam mir nie in den Sinn zu fragen, wann es denn ENDLICH soweit sei ...
    warum auch, man erfährt es doch schließlich früh genug! :)
    Ich wünsche Dir und Deinem Baby weiterhin viel Kraft und vor allem geduldige Menschen um Dich herum ;)
    LG Ela

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  3. Hier waren beide Kinder maximal "drüber". Irgendwann sind wir nicht mehr ans Telefon gegangen, haben keine SMSe mehr beantwortet und uns mit intergalaktischen Nebel umgeben, dass die Umwelt dachte, wir wären allesamt in einem schwarzen Loch verschwunden. Von daher an dieser Stelle nur der ausdrückliche Wunsch, dass ihr euch davon frei machen könnt und die Dinge passieren lasst, wie sie passieren sollen oder vielleicht müssen. Hier sind die Daumen gedrückt, die Gedanken bei euch und die Vorfreude mit euch. Glück auf und liebe Grüße!

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