Mittwoch, 16. Juli 2014

Wenn, dann.

Wenn man immer müde ist, von der Schwangerschaft, von der Chemo, vom nicht Schlafen können wegen Herzrasen. Wenn man tagsüber nicht Schlaf nachholen kann, weil das Telefon klingelt und man es nicht ausschalten kann (falls mit dem Nachwuchs was ist). 
Wenn man nicht raus soll, weil die Sonne scheint, aber gleichzeitig eigentlich raus soll für die Gesamtkonstitution. Wenn man abends und morgens raus könnte zum Laufen, aber eigentlich zum Sterben müde ist.
Wenn man nur Fragen hat oder gestellt bekommt, aber es selbst doch auch nicht weiß. 
Wenn nichts mehr planbar ist, weil es ohnehin anders kommt. 
Wenn wenig vom eigenen Selbst bleibt, weil einem die Ausdrucksmöglichkeiten nach und nach abhanden kommen und vieles von dem, was einem wichtig ist.
Wenn man nicht weiß, was als nächstes kommt, zum Beispiel von diesen bezaubernden Nebenwirkungen.
Wenn man permanent von überall her Ratschläge bekommt und irgendwann den Eindruck gewinnt, alles nur noch falsch zu machen.
Wenn der eigene Nachwuchs (geboren und ungeboren) unter einem leidet, den man doch verdammt noch mal beschützen sollte.
Wenn einen die Tränen noch müder machen.
Wenn das alles schon viel zu lange geht, kein Ende in Sicht ist und alles nur noch schlimmer wird.
Wenn man keine Kraft mehr hat für die simpelsten Dinge.
Wenn man nicht weiß, ob es gut wird und endet, weil verflixt viel schief gehen kann.
Wenn man ständig wachsam bleiben muss, damit nichts schief geht. Wenn man gleichzeitig vertrauen soll und muss.
Wenn man nur noch aus Sorgen besteht und die Verantwortung groß ist.
Wenn man eigentlich stark sein sollte, aber es nicht ist. Nicht mehr.
Dann ist man irgendwann ein Nervenbündel und sollte sich vielleicht eine Zeit lang nicht im Internet tummeln.

P.S.: und wem jetzt eine superschlaue Antwort auf der Zunge liegt, der soll sich bitte kurz fragen, wie lange er sowas aushalten würde.





Kommentare:

  1. Wenn man diese Zeilen liest und einfach nur mitheulen möchte ob des ganzen Sch...
    Wenn man dir so gerne etwas abnehmen würde und doch nicht kann.
    Wenn man dich wenigstens tröstend in den Arm nehmen möchte und auch nicht kann.
    Dann kann man nur mit Kloß im Bauch einfach weiter Blumenbilder, Sonnenstrahlen und gute Wünsche schicken mit der Hoffnung, dass sie vielleicht doch ein kleines Lächeln in deinen Tag bringen.
    Ach, du Liebe, ich wünschte so sehr, ich könnte mehr tun. Ich glaube fest an dich und dass ihr das schafft!

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  2. Liebe Frau Heike,
    ich bin heute über die von mir sehr verehrte Frau Wildgans zu diesen Ihren Zeilen gekommen. In absoluter Blödellaune. Und antworte Ihnen jetzt ganz nüchtern: Ich glaube, ich würde es nicht lange aushalten. Was ich nicht wollte, war, mich nach dem Lesen Ihrer Zeilen einfach so davonzustehlen. Wenigstens meine besten Wünsche muß ich hinterlegen. Ganz viel Kraft für Sie und Ihre Lieben, bündelnd Sie sie, das wünsche ich Ihnen fremdfreundlich, Käthe Knobloch.

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  3. Hab dir einen langen Kommentar geschrieben - aber der wurde einfach im weiteren Voran-Klicken "verschluckt". Evtl. schaffe ich es morgen nochmal...

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