Montag, 14. Juli 2014

Von der Angst zu verschwinden. Teil 1. (Mal sehen, ob es einen Teil 2 geben wird. Mit Zahlen hab ich's ja nicht so)

So eine Krankheit kann einen auffressen. Mit Haut und Haar (muhaha) und Seele. Die Gefahr, sich selbst nur noch über sie zu definieren oder von außen nur noch damit in Verbindung gebracht zu werden, war mir von Anfang an klar. Ich wehre mich dagegen, indem ich versuche, mit meiner Umwelt eine halbwegs normale Gesprächskultur aufrecht zu erhalten, mich bewusst für Dinge zu interessieren, die mit Krebs so gar nichts zu tun haben, zuzuhören. Und tatsächlich, das Bewusstsein, als Kranke, nicht Arbeitende selbst am Rande der Gesellschaft zu stehen, schärft den Blick für die Probleme anderer Minderheiten. Eine bereichernde Erfahrung. 

Mein offener Umgang mit dem Krebs lädt viele, teils wildfremde Leute dazu ein, mir jeweils ihre Schicksale zu erzählen. Das sind meist Menschen, die sich scheuen, offen oder öffentlich darüber zu sprechen, die in mir aber offenbar eine Leidensgenossin sehen. Es sind hammerharte Geschichten, die mich teils auch überfordern.

Ob es nun Selbstschutz ist oder die berühmte Schwangerendemenz oder das wirklich gruselige "Chemo Brain" - ich vergesse vieles, was mir erzählt wird. Da steckt keine böse Absicht dahinter und das Schlimme ist, dass mir das auch bei mir teuren, wichtigen Menschen passiert. Es tut mir unendlich leid und ich kann einfach nur um Verständnis bitten. Es wird wieder anders, hoffe ich.


Kommentare:

  1. Ganz viele Dinge die alle zu unserem Leben gehören passen nicht in diese angepasste Leistungsgesellschaft: Barfuss laufen + das Hier - und jetzt leben + Alt sein oder jung sein + Krank sein oder zu arm sein. Vergeliche dich nicht mit Menschen die sich an diese Leistungsgesellschaft angepasst haben, die nur noch der Anerkennung, der Kohle oder dem Dazugehören zu Gesellschaft hinter her rennen. Du erreichst so viele viele viele Leute und Du gibst soviel Mut, genau dies ist es liebe Heike und genau dies ist es was Dich so liebenswert machst. Also weck mit der Angst zu verschwinden.
    Im Moment freue ich mich wahnsinnig über die Fortsetzung von #minschipsflausch und dazu hast Du Dir die Antwort schon selbst gegeben.

    Ich knuddel und flausche Dich.
    Dani

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Heike,

    das wollte ich vorhin schon sagen. Jetzt, nach einem Wein, traue ich mich:

    Willst du wohl aufhören, dich zu entschuldigen?!

    Hugsies,
    Simona

    AntwortenLöschen