Freitag, 15. November 2013

Richards Buchstöckchen

Wenn Mädchen werfen - ihr kennt das...
Jedenfalls habe ich mit meinem Buch-Blogstöckchen jemanden getroffen, der weder ein Blog hat (weshalb er hier gastbeiträgt), noch liest. Keiner weiß, warum (manche) Mädchen nicht werfen können und ob sie es nicht vielleicht manchmal ganz mit Absicht so Scheiße tun. Aber lest selbst: Richards Buchstöckchen...

Richard, welches Buch liest Du momentan?

Nun, das ist so eine Sache. Auf die Frage erwartet natürlich jeder eine hinreichend intellektuelle Antwort. Das ist jetzt etwas blöd gelaufen, weil: Da ist nichts. Ich lese im Moment eigentlich – nichts.

Werfen wir einen ehrlichen Blick auf meinen Nachttisch:

  • Zwei Hundebücher. Ich liebe Hunde.
  • Eine Kopie eines FAZ-Artikels über Sempé (hat mir @wegholz gegeben, sehr lesenswert) 
  • Ein Buch über „Lamas und Alpakas“ und eines über „Schafe halten“ aus dem Ulmer Verlag. Habe ich @wegholz mal geschenkt, ist aber wohl eher so... äh, theoretisch.
  • Ein uralter Spiegel
  • Ein Leica-Fotobuch „Zeugen eines Jahrhunderts“.

Ich lese abends eigentlich vor allem in dem Buch über Hunderassen. Nicht, weil ich auf RASSEhunde stehe, sondern weil es für mich eine entspannende, häppchenweise Lektüre ist. Länger als fünf Minuten Aufmerksamkeitsspanne bringe ich momentan eh nicht auf, das reicht gut für zwei, drei Rassen - und dabei immer auch ein wenig Hundepsychologie.

Schuld an der Misere seid Ihr, das Internet, mein Job, das Universum und der ganze Rest. Immer geht es darum, schnell das Wesentliche zu erfassen, zu verarbeiten und zu reagieren. Verweilen? Später vielleicht.

Ach ja. „Netzgemüse“ von Tanja und Johnny Haeusler liegt noch auf meinem Nachtisch.

Warum liest Du das Buch? Was magst Du daran?

Ein wunderbares Buch, gar keine Frage. Allen Eltern sehr zu empfehlen. Man kommt sich danach weniger hilflos und sogar weniger dumm vor. Dummerweise war ich aber natürlich nach 30 Seiten der Ansicht, die Kernthese verstanden zu haben und überflog den Rest. Das kann man bei einem Ratgeber machen (auch wenn mir Tanja und Johnny es kaum verzeihen werden), bei einem Roman ist es eher nicht so schlau. Weshalb ich momentan halt keinen Roman oder ähnliches lese. 

Doch ich denke dank des mir von Heike an den Kopf gefeuerten Blockstöckchens über Resozialisation nach. Ich will mich wieder einfinden in die Gemeinde der wirklich Lesenden. Als Einstiegslektüre schwebt mir Robert Gernhardt „Über alles“ vor. Kleine Happen, die einen aber nicht wieder loslassen. Überhaupt Gernhardt! Wie gerne hätte ich ihn auf Twitter erlebt! Ich wäre ihm gefolgt bis ans Ende aller Favs! Nun ist er aber leider schon tot und wird es wohl noch eine Weile sein...

Wurde Dir als Kind vorgelesen? Kannst Du Dich an eine der Geschichten erinnern? Gibt es einen Protagonisten oder eine Protagonistin, in den / die die Du mal regelrecht verliebt warst?

Meine geheime Superkraft ist mein phänomenal schlechtes Gedächtnis. Also gut, geheim ist die Kraft nicht. Und eigentlich auch nicht super. Manchmal vielleicht praktisch, in diesem Fall aber nicht.

Mir wurde vorgelesen. Ich weiß nur nicht mehr so recht, was alles.
Mir wurde gewiss öfter die „Raupe Nimmersatt“ vorgelesen. Ich erinnere mich daran, weil ich sie nie leiden konnte. Die Raupe war schon OK,  die Geschichte ganz nett. Ich fand die dunklen, fetten Illustrationen scheußlich. Und ich frage mich, ob es irgendein Kind gibt, das sie schön findet. Erwachsenenästhetik ist das für mich – wobei ich sie immer noch nicht mag.

Und dann gab es noch ein Buch. Das mochte ich auch nicht sonderlich, aber es schien mir, als müsste es mir etwas bedeuten. Der Rabe „Richard“, ein Buch von Helme Heine. Ich finde es eine bescheuerte Idee, Kindern Büchern mit Namensvettern zu schenken. Die Wahrscheinlichkeit, dass es charakterlich passt liegt bei geschätzten 2,73%.
Mein Bruder zum Beispiel musste sich immer „Frederik“ anhören, über die Maus, die Geschichten sammelt und den anderen im Winter erzählt. Mein Bruder ist Computerfreak, das Letzte, was ich mir vorstellen kann, ist, dass er uns an kalten Winterabenden Geschichten vorliest.  Das zeichnete sich schon mit sechs ab.



Der Rabe Richard also. Untertitel: „Wer Dich besiegt, der ist Dein Freund“.  Hallo? Na ja, „Richard“ prügelt sich so durch das Weltgeschehen – und nachdem er allen eins auf die Mütze gegeben hat, muss er auf Anraten eines alten, weißen Raben gegen sich selbst kämpfen. Am Ende ist er dann ziemlich im Eimer, hat sich quasi selbst besiegt und alle haben sich wieder lieb. Nun gut. Ich habe damals dauernd überlegt, ob ich jetzt also erst mal ein ziemliches Arschloch werden muss, bevor ich zu mir selbst finde. Das mit dem Prügeln ließ sich schließlich ziemlich leicht bewerkstelligen, ich brauchte auf meiner Düsseldorfer Schule nur mein Kölner Geißbock-Trikot zu tragen. Wurde mit der Zeit aber auch langweilig und ich habe beschlossen, das Buch blöd zu finden.
Also, liebe Eltern, schenkt Euren Kindern bitte keine Namensvetternbücher!

Verliebt war ich so ziemlich in alle Protagonistinnen meiner Jugendbücher. Allen voran wohl Ronja Räubertochter.


In welchem Buch würdest Du gern leben wollen?

In „Pippi Langstrumpf“. Auch wenn es da keine Berge gibt. Ich liebe Berge. Aber den ganzen Rest der Natur halt auch.

Welche drei Bücher würdest Du nicht mehr hergeben wollen?

Heike hat Hesses „Unterm Rad“ im Gepäck. Ich nehme den „Steppenwolf“. Nicht, weil ich ihn unbedingt dauernd lesen wollte. Nur, weil meine Jugend ohne den Steppenwolf keine solche gewesen wäre. Ein wunderbares Gefühl, sein eigenes Suchen wiederzufinden. Ach, lassen wir das, geht Euch gar nichts an!

Was noch. Tucholsky. Er ist einfach großartig. Mitnehmen würde ich „Schloß Gripsholm“. Da ist dieser Tucholsky, der wie ein Hund unter seiner Zeit, unter den Menschen, der Politik leidet. Und dann schreibt der eine der schönsten, leichtesten Liebesgeschichten überhaupt. Ich will „Schloß Gripsholm“, weil man damit durch dunkle Zeiten kommt.

Was noch. Irgendwas, das ich immer wieder lesen kann. Klar, Asterix. Kein Asterix nach Goscinnys Tod, die sind einfach unerträglich. Nein, ein echter Asterix. „Asterix und die Schweizer“ zum Beispiel. Kann ich immer wieder lesen, beruhigt mich. Und es spielt in den Bergen, auch wenn Obelix davon nichts mitbekommt.

Und wenn dann also die bösen Leute kommen, die mir alle bis auf drei Bücher weg nähmen  dann würde ich noch schnell „Pu der Bär“ unter meiner Weste verstecken.

Irgendwo in diesem Stapel müssten die drei (vier) Bücher sein. Wir räumen grad um...

Ein Lieblingssatz aus einem Buch?

Bei den Zitaten schlägt wieder meine Supervergesslichkeit zu. Wobei ich da durchaus Inselwissen vorweisen kann. Rilkes Panther zum Beispiel werde ich noch auf dem Sterbebett rezitieren können. Und so gibt es ein eher unbedeutendes Werk, aus dem einer meiner Lieblingssätze stammt. Es ist „Prinzenbad“ von Michael Wildenhain. Angenehm seltsam – und es kommt einigermaßen viel Sex drin vor, was die Lektüre recht kurzweilig gestaltet. Worum es aber eigentlich geht, habe ich vergessen. Der Protagonist ist auf jeden Fall irgendwie schwer unterwegs – und mein Lieblingszitat ist: „Was wisst Ihr von dem Klopfen in meinen Adern, wenn ich das Meer schon riechen kann!“

So, das war’s. Nein, nicht ganz. Dank an Heike, dass sie mich stupste, über mein Lesen nachzudenken! Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele nach dem Stöckchen greifen. Ich werfe es aber mal Stephanie zu, da ihr Nachttisch deutlich literarischer ist als meiner.

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