Montag, 13. Juni 2011

Tja, Entscheidungen. Oder: Ich muss aufs Klo!

Entscheidungen treffen finde ich lästig!

Aber noch unangenehmer als überhaupt enscheiden zu müssen ist es fraglos, die falsche Entscheidung gefällt zu haben. Wie aber kommen wir zur richtigen Entscheidung?
Überraschenderweise am besten - wenn wir aufs Klo müssen, laut einer Studie von Prof. Mirjam Tuk (Niederlande, University of Twente). Wer eine volle Blase hat, trifft offenbar rationalere, auf lange Sicht hin durchdachtere Entscheidungen. Grund sei, dass, wer ohnehin schon Selbstkontrolle ausübe (nämlich dahingehend, nicht in die Hose zu pinkeln), dies auch bezüglich der zu fällenden Entscheidung zu tun in der Lage ist. Diese neue Erkenntnis steht im Gegensatz zur etablierten Theorie der Ego-Depletion, die davon ausgeht, dass es eine endliche Menge an Selbstkontrolle gibt. Ist diese aufgebraucht - tja...

Thommy Weiss  / pixelio.de

Dan Ariely (Professor für Psychologie und Verhaltensökonomik) sieht das Problem nicht darin, zu wissen, was wir eigentlich wollen. Es liegt vielmehr darin, dass sich dieser unser Wille selten mit dem objektiv Begründbaren deckt (die Entscheidung zwischen der schicken Kaffeemaschine und der praktischen, zwischen dem cool aussehendem Gerät und der sinnvollen Lösung). Er empfiehlt in solchen Fällen: Münze werfen! Und solange weiterwerfen, bis das gewünschte Ergebnis erscheint. So können wir das Ergebnis rechtfertigen - wir sind doch nur dem Rat der Münze gefolgt!

Nach Niklas Luhmann ist es übrigens egal, welche Entscheidung wir fällen. Denn schlimmer, als die falsche Entscheidung zu treffen, ist es, gar keine zu treffen. Da ist er mit Charles de Gaulle voll auf einer Linie: "Es ist besser, unvollkommene Entscheidungen durchzuführen, als ständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es niemals geben wird."

Tja, das macht doch irgendwie Mut. Mut, notfalls auch falsche Entscheidungen zu fällen. Und diese dann eben einfach durch Münzwurf zu rechtfertigen...





Kommentare:

  1. Jetzt habe ich mich lange gefragt, ob ich hier kommentieren soll. Zum Glück ist meine Blase voll und bevor ich pipi gehe, schreibe ich noch schnell ein paar Zeilen und ... hoppla, das ging ja jetzt daneben ...

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  2. Da triffst du ein Lieblingsthema von mir, liebe Heike. Ich liege mit Niklas Luhmann und de Gaulle auf einer Linie. Und möchte behaupten: Es gibt keine richtigen und falschen Entscheidungen. Es gibt nur Entscheidungen. Wir führen nur dieses eine Leben und werden niemals prüfen können, zu welchem Ergebnis eine andere Entscheidung geführt hätte. Auch wenn unsere Entscheidung uns möglicherweise nicht zu dem Ziel führt, dass wir uns gewünscht haben.
    Was wiederum neue Entscheidungen notwenig macht.
    Sich entscheiden macht doch auch Spaß. Es geht dann weiter und man quält sich nicht mehr mit der Frage herunm, was nun zu tun sei. Das Leben ist ohnehin nicht gerecht und wir werden niemals von einem sicheren Ergebnis einer Entscheidung ausgehen können. Dafür sorgen schon die anderen, die ihrerseits Entscheidungen treffen ;-). Damit meine ich nun nicht, zu vollkommenen Beliebigkeit überzugehen und nicht mehr nachzudenken, bevor man handelt. Aber man sollte sich von dem Druck befreien, perfekte, "richtige" Entscheidungen treffen zu müssen. Das Leben ist bunt - und granatenstark!
    P.S. Nun gehe ich eine Runde weinen - auf'm Klo? Soviel Optimismus am Morgen eines gefühlten Montags ... die Steinigung ist eröffnet!

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  3. Das erinnert mich an die Rede von Amanda Palmer, die ich gerade gesehen habe und wo sie dem jungen Menschen, die ihr zuhören, erzählt, dass sie sich nicht einschüchtern lassen sollen und - sehr frei paraphrasiert, damit es hierhin passt - einfach Entscheidungen treffen sollten, selbst wenn sie eigentlich gar keine Ahnung haben, worum es geht. (Die Rede fand übrigens am Welttag des Buches statt. Aber das ist völlig irrelevant.)

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