Dienstag, 8. Mai 2012

Wenn das Leben dir eine Limette gibt, mach Caipirinha draus!

Ich habe ein schönes Leben. Das hält mich nicht davon ab, es manchmal schwer zu nehmen. Und es ist definitiv eine Limette, wenn man zum Schafott aka Amtsgericht muss. Hingerichtet wurde eine zehnjährige Ehe. Ein klarer Schnitt, Kopf ab. So. Ich bin doof, weil ich das alles zu ernst nehme. Ich konzentriere mich aufs Einatmen, Ausatmen. Für mehr bleibt keine Kraft.


Die Frage, ob unser Rechtssystem zwingend so sein muss. Ob es wirklich notwendig war, dass das Amtgericht sich hinter meinem Rücken an meine Arbeitsstelle wandte, den Ort, an dem ich einfach nur arbeiten wollte. Ich bin froh, wenn in absehbarer Zeit keine Briefe mehr in meinem Briefkasten liegen, in denen mir Zwangsgeld und Haft angedroht werden, weil irgend jemand vom Rathaus meine Unterlagen nicht weitergeleitet hat. Wenn ich nicht mehr im Dunkeln sitze und vierfache Formulare ausfülle, die einfach nur absurd sind. Wenn Worte wie "Anordnung", "Ordnungsgeld", "Verzögerungsgebühr" nicht mehr in unmittelbarer Beziehung zu meinen Herzensangelegenheiten auftauchen. Ich bin froh, wenn ich genug getrauert haben werde. Ich bin froh, dass ich überleben werde - dank einiger unglaublich toller Menschen, Freunde und Familie. Vlausch für euch.

Mittwoch, 21. März 2012

Randnotizen zur #lbm12

Wenn mich nicht alles täuscht, war Roger Willemsen der erste Mensch auf der Buchmesse, der mich wahrgenommen hat. Der Hedoniker hingegen sollte mich gesehen haben, hat aber nur Carola wahrgenommen. Steffen Meier war der meist gefragte Mann auf der Buchmesse, obwohl er darob die Augen verschloss. Die Snoopsmaus wollte eigentlich gar nicht zu mir. Wahrscheinlich war es gerade deshalb so nett mit ihr. Der Herr von bilandia wollte auch nicht zu mir, hatte aber ein rosa Hemd an. Männer, ihr solltet viel mehr rosa Hemden tragen, dann klappts auch mit dem Kaffee.
Frau Mi hat ein Plätzchen ganz tief in meinem Herzchen. Wer Hosenanzug und Totenkopfhaarklämmerchen so stilsicher kombiniert, curling so anmutig pantomimisch darstellen kann und dennoch so bemerkenswert unprätentiös bleibt, den muss man einfach lieb haben.
Ute Weber hat die genialste Twitter-Strategie, von der ich jemals gehört habe und Mykke sehen zu dürfen war ein großes Geschenk.
Michael Dreusicke bewies außerordentlich viel Humor, indem er mich in der Moritzbastei ertrug. Miriam Hofheinz ist die wohl süßeste Erfindung, seit es Buchmesse gibt.Ihre Ausstrahlung ist aus purem Gold.

Den Samstag Abend verbrachte ich mit wunderbaren Menschen in einem Massenabfertigungsrestaurant. Es war, als ob es nur uns gäbe. An die Beteiligten ein dickes Dankeschön. Oder, um zu zitieren: Das Leben, wie es sein soll.

Katja Splichal hatte die tollsten ollsten Schuhe und ist die Abbaukönigin. Und wenn ihr jetzt bitte noch meiner Kollegin erklären könntet, dass ich introvertiert bin? Danke.


Da wäre noch viel zu berichten, es ist alles in meinem Herzen. Doch dies soll genügen: Ich danke allen freundlichen Menschen, die mir diese Tage haben zum Fest werden lassen.



Montag, 13. Februar 2012

Suterisiert

Wer nachts gerne schläft, ist ohne Suter besser dran. Und so ist es vielleicht zu irgendetwas gut gewesen, dass mein bisheriges Leseleben ohne Martin Suter ablief. Vor Weihnachten war meine Schonfrist abgelaufen. Lange, ruhige Tage zuhause standen bevor, Lesestoff musste her. Es war Der Koch.
Martin Suter  |  Der Koch  |  Roman, Taschenbuch, 320 Seiten | € (D) 10.90 / sFr 17.90* / € (A) 11.30
Martin Suter: Der Koch
Die Worte sind köstlich wie die damit beschriebenen kulinarischen Spezialitäten. Es sind die kleinen Leute, die am Rande Stehenden, die Suter zu Helden macht. Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen: es ist nicht nur großes Lesevergnügen, es tut auch das, was gute Bücher tun: den Horizont erweitern. Von Molekularküche bis Bürgerkrieg (Sri Lanka), von Aphrodisiaka bis Waffenhandel. Vorzuwerfen ist dem Buch lediglich, dass es endlich ist.
Aber Martin Suter lässt mich (noch) nicht allein.

Martin Suter  |  Small World  |  Roman, Taschenbuch, 336 Seiten | € (D) 9.90 / sFr 17.90* / € (A) 10.20
Martin Suter: Small World

Suter erschafft keine Helden zum Lieb haben. Auch Small World kommt zunächst etwas sperrig daher. Und doch hat sich das Buch einen Weg in mein Herz gebahnt. Besonders an diesem Buch ist der zarte, unaufhaltsame Spannungsaufbau, an dessen Ende tiefste menschliche Abgründe lauern - unausweichlich, anrührend, gut! Ein Roman von Unvergesslichem und vom Vergessen, von Liebe und Tod, präzise, gut recherchiert, liebevoll. Die zarteste Versuchung, seit es Thriller gibt.


Martin Suter  |  Die dunkle Seite des Mondes  |  Roman, Taschenbuch, 320 Seiten | € (D) 10.90 / sFr 17.90* / € (A) 11.30
Martin Suter: Die dunkle Seite des Mondes

In Die dunkle Seite des Mondes macht eine tiefgreifende Persönlichkeitsveränderung aus dem unsympathischen Wirtschaftsanwalt einen ruchlosen Mörder - dank eines Pilztrips.
Was treibt Menschen an? Was macht einer, der mit Mitte Vierzig alles erreicht hat? Die Wandlung vom Bewohner teuerster Hotelsuiten zum Überlebenskünstler im Wald ist packend, die Fährte, auf die Suter den Leser mitnimmt, ist von grausamen Fundstücken geprägt. Spröde, spannend, krasses Ende!

Ich fürchte, ich bin suterisiert. Und ich hasse jetzt schon den Moment, in dem ich den schreibenden Suter lesend eingeholt habe. Aber ich werde endlich wieder schlafen können...



Dienstag, 6. Dezember 2011

How I met my twitter

Mein zweites Twittertreffen war auf der Frankfurter Buchmesse. Ich habe es @sinnundverstand zu verdanken, die das Twittagessen organisiert hat. Ich kannte praktisch keinen. Es war wie heim kommen. Auf ein paar hatte ich mich im Vorfeld schon riesig gefreut, z.B. auf @CarstenTergast. Da stand er dann auf einmal vor mir. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Der Beginn? Nein, der war auf twitter.
Schwer beeindruckt war ich von @sinnundverstand, die trotz der vielen Menschen jedem einzelnen gegenüber so aufmerksam war. Ihr entgeht so leicht kein Herz.
Ich hatte riesig Spaß mit @dschun und @hedoniker und einigen anderen, die ich ja eigentlich gar nicht kannte. Eigentlich. Denn es ist schon unglaublich, wie viel da via twitter gewachsen ist, was da alles entstehen kann. Und es tut gut zu wissen, dass man auch im Internet nicht so leicht getäuscht werden kann. Die feinen Seelen erkennt man hinter den Buchstaben genauso wie die Rüpel.
Warum ein persönliches Kennenlernen so wichtig ist? Wegen der Tiefe. Keine digitale Freundschaft kann ohne persönliches Treffen so tief und real werden.
Und ihr so? 
Danke für die Anregung der Blogparade an @danielrehn und die @punktefrau - Kaffee, irgendwann, irgendwo?

Montag, 13. Juni 2011

Tja, Entscheidungen. Oder: Ich muss aufs Klo!

Entscheidungen treffen finde ich lästig!

Aber noch unangenehmer als überhaupt enscheiden zu müssen ist es fraglos, die falsche Entscheidung gefällt zu haben. Wie aber kommen wir zur richtigen Entscheidung?
Überraschenderweise am besten - wenn wir aufs Klo müssen, laut einer Studie von Prof. Mirjam Tuk (Niederlande, University of Twente). Wer eine volle Blase hat, trifft offenbar rationalere, auf lange Sicht hin durchdachtere Entscheidungen. Grund sei, dass, wer ohnehin schon Selbstkontrolle ausübe (nämlich dahingehend, nicht in die Hose zu pinkeln), dies auch bezüglich der zu fällenden Entscheidung zu tun in der Lage ist. Diese neue Erkenntnis steht im Gegensatz zur etablierten Theorie der Ego-Depletion, die davon ausgeht, dass es eine endliche Menge an Selbstkontrolle gibt. Ist diese aufgebraucht - tja...

Thommy Weiss  / pixelio.de

Dan Ariely (Professor für Psychologie und Verhaltensökonomik) sieht das Problem nicht darin, zu wissen, was wir eigentlich wollen. Es liegt vielmehr darin, dass sich dieser unser Wille selten mit dem objektiv Begründbaren deckt (die Entscheidung zwischen der schicken Kaffeemaschine und der praktischen, zwischen dem cool aussehendem Gerät und der sinnvollen Lösung). Er empfiehlt in solchen Fällen: Münze werfen! Und solange weiterwerfen, bis das gewünschte Ergebnis erscheint. So können wir das Ergebnis rechtfertigen - wir sind doch nur dem Rat der Münze gefolgt!

Nach Niklas Luhmann ist es übrigens egal, welche Entscheidung wir fällen. Denn schlimmer, als die falsche Entscheidung zu treffen, ist es, gar keine zu treffen. Da ist er mit Charles de Gaulle voll auf einer Linie: "Es ist besser, unvollkommene Entscheidungen durchzuführen, als ständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es niemals geben wird."

Tja, das macht doch irgendwie Mut. Mut, notfalls auch falsche Entscheidungen zu fällen. Und diese dann eben einfach durch Münzwurf zu rechtfertigen...




Sonntag, 22. Mai 2011

Über die Wahrheitssuche und warum so viele Menschen unterwegs aufgeben

"Lügen ist anstrengender, als die Wahrheit zu sagen", sagt Dr. Matthias Gamer vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Wahrheit muss regelrecht unterdrückt werden, um zu lügen. 
Für die (kindliche) Entwicklung ist lügen sogar wichtig. Aber wie ist die richtige Dosis? Und was ist mit der dahinter stehenden Absicht?
Laut Statistik lügt der Mensch bis zu 200 Mal am Tag, die Amerikaner ermittelten sogar nur 50 Mal. Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Natürlich kommt es darauf an, was man als Lüge wertet. Ist es schon gelogen, wenn mir jemand einen schönen Tag wünscht, obwohl es ihn einen Dreck interessiert, ob mein Tag schön, mittel oder total daneben ist? 

Mir geht es nicht um nichtigen small talk. 
 
Wiederum laut Statistik befreunden wir uns in unserem Leben mit etwa 150 Menschen. Viel mehr gibt unser Nervensystem nicht her. Da wir in unserem Leben aber etwa 2000 Menschen mit Namen kennen lernen und mit noch viel mehr Menschen in unserem Alltag konfrontiert sind, wäre es unmenschlich, zu verlangen, dass mir jeder wichtig genug ist, um ihm von Herzen einen schönen Tag zu wünschen. Zwar ein schöner Gedanke, aber eine Überforderung. Höflichkeitsfloskeln sind absolut in Ordnung und keiner muss sich geißeln, weil nicht jeder Gruß vor Wahrheit trieft. 

Auch optische Lügen sind mir gleich. Wer seine Haare färbt, ins Solarium geht, an sich rumoperieren lässt, sich die Zähne richten lässt, sich rasiert, oder sonstwie verändert – der gleicht sich vielleicht einfach seinem wahren, gefühlten Ich an. Mir geht es mehr um wahre Worte. Mir geht es um Lügen, bei denen es um etwas geht. Lügen in Beziehungen zu anderen Menschen.

Wahrheit ist ein hohes Gut.

Nicht umsonst ist der „wahre Freund“ sprichwörtlich. Weil es nicht so viele davon gibt. Und das, mit Verlaub, ist doch bescheuert. Was um alles in der Welt haben wir denn davon, wenn wir uns gegenseitig vormachen, uns um unserer selbst willen wichtig zu sein? Wir vergeuden unsere Zeit, indem wir uns gegenseitig instrumentalisieren, manipulieren, uns benutzen.

Viele Lügen kommen daher, dass wir uns selbst etwas vormachen. Gelebte Wahrheit ist authentisch zu sein. Was habe ich denn davon, eine Lüge zu leben? 

Ich stelle mir vor, wie es ist, wenn wir alle einmal auf dem Sterbebett liegen. Jeder einzeln, jeder für sich. Die manipulierten Massen, sie sind nicht mehr da. Will ich dann denken müssen: Mist, das war ja gar nicht, was ich wollte, in „meinem“ Leben? Ich habe zwar viel erreicht, aber war nie ich selbst!

Meist lügen wir aus Angst und, um uns den Alltag angenehmer zu machen, eine Art Alltags-Opportunismus. Meine These ist, dass wir uns den Alltag damit schwerer machen. Wer klar in seinen Aussagen ist, sich selbst nicht belügt, anderen nichts vormacht, muss sich auch nicht täglich mehr verstricken in lauter unnötigem Zeugs.

Eure Lügen interessieren mich nicht. Ich will eure Wahrheit!

Es ist nicht so, dass ich Schwierigkeiten mit dem Lesen zwischen den Zeilen habe, im Gegenteil. Ich merke durchaus (na gut, meistens) wenn jemand „ja“ sagt und „nein“ meint. Aber mal ehrlich: es nervt! Ich will meine Zeit nicht mit soviel Lügen vertun. Dazu ist das Leben viel zu wichtig. 

CFalk  / pixelio.de

Wir haben nur ein Leben, widmen wir es doch lieber gleich den wichtigen Dingen, als erst durch einen Dschungel von Unwahrheiten mühsam zu ihnen vordringen zu müssen. Schwierigkeiten gibt es dann immer noch genug dadurch, dass es so viele Wahrheiten gibt.

Und hey: keiner ist vor Lügen gefeit, ich natürlich auch nicht. Es gibt Grauzonen, z.B., wenn ich nicht die ganze Wahrheit erzähle, indem ich etwas verschweige. Ehrlich sein kann verdammt schwer sein. Wahrheit ist ein Weg, der nie endet.