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Lügen ist anstrengender, als die Wahrheit zu sagen", sagt Dr. Matthias Gamer vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Wahrheit muss regelrecht unterdrückt werden, um zu lügen. Für die (kindliche) Entwicklung ist lügen sogar wichtig. Aber wie ist die richtige Dosis? Und was ist mit der dahinter stehenden Absicht?
Laut Statistik lügt der Mensch bis zu 200 Mal am Tag, die Amerikaner ermittelten sogar nur 50 Mal. Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Natürlich kommt es darauf an, was man als Lüge wertet. Ist es schon gelogen, wenn mir jemand einen schönen Tag wünscht, obwohl es ihn einen Dreck interessiert, ob mein Tag schön, mittel oder total daneben ist?
Mir geht es nicht um nichtigen small talk.
Wiederum laut
Statistik befreunden wir uns in unserem Leben mit etwa 150 Menschen. Viel mehr gibt unser Nervensystem nicht her. Da wir in unserem Leben aber etwa 2000 Menschen mit Namen kennen lernen und mit noch viel mehr Menschen in unserem Alltag konfrontiert sind, wäre es unmenschlich, zu verlangen, dass mir jeder wichtig genug ist, um ihm von Herzen einen schönen Tag zu wünschen. Zwar ein schöner Gedanke, aber eine Überforderung. Höflichkeitsfloskeln sind absolut in Ordnung und keiner muss sich geißeln, weil nicht jeder Gruß vor Wahrheit trieft.
Auch optische Lügen sind mir gleich. Wer seine Haare färbt, ins Solarium geht, an sich rumoperieren lässt, sich die Zähne richten lässt, sich rasiert, oder sonstwie verändert – der gleicht sich vielleicht einfach seinem wahren, gefühlten Ich an. Mir geht es mehr um wahre Worte. Mir geht es um Lügen, bei denen es um etwas geht. Lügen in Beziehungen zu anderen Menschen.
Wahrheit ist ein hohes Gut.
Nicht umsonst ist der „wahre Freund“ sprichwörtlich. Weil es nicht so viele davon gibt. Und das, mit Verlaub, ist doch bescheuert. Was um alles in der Welt haben wir denn davon, wenn wir uns gegenseitig vormachen, uns um unserer selbst willen wichtig zu sein? Wir vergeuden unsere Zeit, indem wir uns gegenseitig instrumentalisieren, manipulieren, uns benutzen.
Viele Lügen kommen daher, dass wir uns selbst etwas vormachen. Gelebte Wahrheit ist authentisch zu sein. Was habe ich denn davon, eine Lüge zu leben?
Ich stelle mir vor, wie es ist, wenn wir alle einmal auf dem Sterbebett liegen. Jeder einzeln, jeder für sich. Die manipulierten Massen, sie sind nicht mehr da. Will ich dann denken müssen: Mist, das war ja gar nicht, was ich wollte, in „meinem“ Leben? Ich habe zwar viel erreicht, aber war nie ich selbst!
Meist lügen wir aus Angst und, um uns den Alltag angenehmer zu machen, eine Art Alltags-Opportunismus. Meine These ist, dass wir uns den Alltag damit schwerer machen. Wer klar in seinen Aussagen ist, sich selbst nicht belügt, anderen nichts vormacht, muss sich auch nicht täglich mehr verstricken in lauter unnötigem Zeugs.
Eure Lügen interessieren mich nicht. Ich will eure Wahrheit!
Es ist nicht so, dass ich Schwierigkeiten mit dem Lesen zwischen den Zeilen habe, im Gegenteil. Ich merke durchaus (na gut, meistens) wenn jemand „ja“ sagt und „nein“ meint. Aber mal ehrlich: es nervt! Ich will meine Zeit nicht mit soviel Lügen vertun. Dazu ist das Leben viel zu wichtig.
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| CFalk / pixelio.de |
Wir haben nur ein Leben, widmen wir es doch lieber gleich den wichtigen Dingen, als erst durch einen Dschungel von Unwahrheiten mühsam zu ihnen vordringen zu müssen. Schwierigkeiten gibt es dann immer noch genug dadurch, dass es so viele Wahrheiten gibt.
Und hey: keiner ist vor Lügen gefeit, ich natürlich auch nicht. Es gibt Grauzonen, z.B., wenn ich nicht die ganze Wahrheit erzähle, indem ich etwas verschweige. Ehrlich sein kann verdammt schwer sein. Wahrheit ist ein Weg, der nie endet.